agile manifest

Was ist Agilität? Das Agile Manifest

Im letzten Artikel haben Sie die Hintergründe erfahren, weshalb agile Ansätze überhaupt entstanden sind, und warum sie auch heute noch eher an Bedeutung weiter zu- als abnehmen.

Dieser Artikel wiederum widmet sich der Bedeutung, die hinter dem Begriff „Agilität“ steckt. Wobei hierbei zwischen Agilität und agilen Ansätzen unterschieden werden muss. Agile Ansätze sind Methoden, deren Anwendung dazu führt, dass Agilität in einem Unternehmen gelebt wird. Dies kann auf einzelne Projekte, Teams und Abteilungen reduziert sein, kann allerdings auch in der Gesamtorganisation gelebt werden. Der Begriff „Agilität“ ist jedoch, je nach Definition, unterschiedlich belegt. Auffällig ist, dass viele Definitionen ein Bündel von Elementen beinhalten, mit denen Eigenschaften von Agilität beschrieben werden.

Die ersten Definitionsansätze gehen hierbei bis in die 1970er/80er Jahre zurück und gingen mit der Notwendigkeit der Agilität für Unternehmern einher. Bereits hier wird Agilität als eine Menge an Fähigkeiten bezeichnet. Beispielsweise die Fähigkeit eines Unternehmens, sich an die Bedürfnisse des Kunden anzupassen oder die Fähigkeit, die Entwicklungsgeschwindigkeit signifikant zu erhöhen.

Ein Meilenstein für das Verständnis von Agilität für die heutige Zeit war die Veröffentlichung des Agilen Manifests mit seinen vier Leitgedanken im Jahre 2001. Formuliert wurde das Agile Manifest von einer Gruppe aus siebzehn renommierten Softwareentwicklern (u.a. Jeff Sutherland und Ken Schwaber, Begründer des Scrum Frameworks). Die Leitgedanken lauten wie folgt:

  1. Individuen und Interaktionen stehen über Prozessen und Werkzeugen
  2. Funktionierende Software steht über einer umfassenden Dokumentation
  3. Zusammenarbeit mit dem Kunden steht über der Vertragsverhandlung
  4. Reagieren auf Veränderungen steht über dem Befolgen eines Plans

Die Autoren führen ergänzend auf, dass die rechte Seite nicht unwichtig, lediglich die linke Seite wertvoller sei.

Zugegebenermaßen sind die Leitgedanken auf die Softwareentwicklung zugeschnitten, sie haben dennoch auch einen allgemeingültigen Charakter. Denn die Bedeutung der IT für ein Unternehmen, die der Softwareentwicklung zuzuordnen ist, hat sich seit der Jahrtausendwende verändert. Aus einer rein unterstützenden Funktion hat sich die IT zu einem Partner für das Business entwickelt. Doch was macht IT-Abteilungen erfolgreicher als andere IT-Abteilungen? Die Antwort lautet: Die Verwendung agiler Methoden. Denn nur durch die Verwendung von agilen Methoden ist es der IT gelungen, schnell auf die Bedürfnisse des Business eingehen zu können und sich so die Stellung als Partner zu erarbeiten. Die IT ist somit der große Vorreiter für die Entwicklung und Verwendung agiler Methoden. Sie hat es geschafft, die seit dem 1970er Jahren benötigten Fähigkeiten aufzubauen und sich dadurch zum Vorbild für den Aufbau von agilen Organisationen zu entwickeln. Ganzheitliche Ansätze, wie die „Holocracy“-Systematik (entwickelt durch den Unternehmer Brian Robertson in den 2010er Jahren) oder das Spotify-Modell (beschrieben in dem Dokument „Scaling Agile @ Spotify“) bauen auf den Ansätzen der IT auf.

Aus den Leitgedanken des Agilen Manifests heraus, ergänzt um unternehmensweite Dimensionen, lässt sich Agilität also wie folgt definieren: Agilität ist die Fähigkeit eines Unternehmens, verändernde äußere und innere Einflüsse frühzeitig zu erkennen und sich an die veränderten Gegebenheiten anpassen zu können.

Damit diese Fähigkeit in einem Unternehmen besonders zur Geltung kommen kann, müssen sechs Dimensionen berücksichtigt werden, die entweder einen Treiber oder aber ein Hemmnis für Agilität darstellen können.

Prozesse

Agile Prozesse sind kundenzentriert und stets auf Verbesserungspotenziale zu überprüfen. In ihrer jeweils gültigen Fassung sind sie nicht flexibel, werden jedoch iterativ optimiert.

Strukturen

Strukturen müssen flexibel sein und sich an den agilen Prozessen orientieren. Silo-Strukturen und starre Strukturen stellen hingegen erhebliche Verhinderer von Agilität dar.

Strategie

Agilität wird durch eine kundenorientierte Strategie gefördert. Nur hierdurch können Kunden behalten/gewonnen und das Geschäft ausgebaut/weiterentwickelt werden.

Unternehmenskultur

Agilität bedeutet Sachen auszuprobieren und auf dem iterativen Weg zur Lösung Fehler zu machen. Hierfür sind eine konstruktive Fehlerkultur und fortlaufendes Lernen Grundvoraussetzung.

HR

Die Personalabteilung ist ein kritischer Faktor für die personelle Aufstellung von Unternehmen. Agilität benötigt einen besonderen Schlag Mensch. Selbstführungskompetenz, Kommunikationskompetenz und Transformationskompetenz sind nur einige Fähigkeiten, die benötigt werden. Aufgabe der Personalabteilung ist es, die Belegschaft entsprechend auszuwählen und den agilen Gedanken zu fördern.

Führung

Führung wird in agilen Organisationen als Dienstleistung verstanden. Führungskräfte haben den Auftrag den Mitarbeitern optimale Arbeitsbedingungen zu schaffen und sie stärkenorientiert zu fördern.

Sie haben nun einen ersten Eindruck davon gewonnen, was hinter Agilität steckt. Es lässt sich festhalten: Agilität ist ein vielschichtiges Gebilde. Bevor wir jedoch tiefer in die Besonderheiten der einzelnen Schichten einsteigen werden, werde ich Ihnen im nächsten Artikel einige Agile Methoden vorstellen, so dass Sie neben dieser theoretischen Herleitung auch Agilität in der Praxis kennenlernen.

Bis bald!

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