Warum gibt es agile Ansätze? | SOLVVision GmbH

Warum gibt es agile Ansätze?

Wer sich im IT-Umfeld bewegt, der kommt an dem Thema Agilität nicht vorbei. Auch wenn der Einstieg in dem vorherigen Artikel auf provokante Art aufgezeigt hat, dass „agil“ nicht gleich „agil“ bedeutet, so ist Agilität im originären Sinne längst keine innovative Neuerung mehr. Sei es durch das Lesen von Fachartikeln, dem Besuch von Schulungen oder auch bereits der praktischen Ausübung von agilen Methoden: Mit Agilität hatte fast jeder schon so seine Berührungspunkte!

Doch warum gibt es agile Ansätze?

Die Begründung hierfür liegt in der Entwicklung der Industrie und hat seine Ursprünge in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit der ersten industriellen Revolution. Aus kleinen Werkstätten und lokalen Manufakturen entwickelten sich erste Fabriken. Der Siegeszug der Massenproduktion hatte begonnen. Durch technologischen und organisatorischen Fortschritt, wie die Einführung des Fließbands und der Nutzung von Elektrizität (zweite industrielle Revolution ab 1870), konnte die Produktion immer weiter optimiert werden.

Mit der dritten industriellen Revolution (ab 1969) ging die Einführung von Computern und IT einher. Hierdurch wurde die Produktivität nochmal erheblich gesteigert, so dass die Nachfrage an Gütern immer besser befriedigt werden konnte. Doch dieser Siegeszug fand in den 1970er Jahren ein Ende und mündete, unterstützt durch die Ölkrisen, in einer Weltwirtschaftskrise. Der Grund für die Krise war die Sättigung des Marktes. Massenproduktion allein war nicht mehr ausreichend. Um den Kunden zum Kauf eines Produktes zu bewegen, brauchte es auf einmal mehr, als nur das reine Vorhandensein des Produktes. Unternehmen mussten, um wettbewerbsfähig zu bleiben, besser auf Kundenwünsche eingehen oder kostengünstiger als die Konkurrenten produzieren. Ein Abheben von der Konkurrenz, egal in welche Richtung, wurde notwendig.

Erschwert wurde das Lösen dieser Herausforderung durch die zunehmende Globalisierung, sich verändernde Anforderungen der Menschen an die Arbeit und die fortschreitende Digitalisierung (seit 2000 wird hiermit die vierte industrielle Revolution verbunden. Charakteristisch hierfür sind intelligente und digital vernetzte Systeme und weitgehend autonome Produktionsformen). Auf Grund der Globalisierung stehen Unternehmen nicht mehr nur in regionaler oder nationaler Konkurrenz. Internationale Unternehmen und Konzerne konkurrieren weltweit um die Gunst der Konsumenten. Doch wer international bestehen will, muss sich auch mit den Eigenarten der einzelnen Märkte beschäftigen.

Digitalisierung wiederum führt zu einer immer breiteren und tieferen Wissensbasis, auf Grundlage derer neue, innovative Produkte entwickelt werden können. Auch neue Geschäftsmodelle entstehen. Somit ist auch hier Flexibilität gefragt, möchte man als Unternehmen weiterhin am Markt bestehen können. Unternehmen stehen nicht mehr nur in Konkurrenz innerhalb ihrer Branche, ihre Geschäftsmodelle werden auch von anderen Branchen bedroht. Bestes Beispiel hierfür ist die Erfolgsgeschichte des Smartphones. Mit dieser technologischen Neuheit wurde die eigene Branche überrannt, wodurch etablierte Player, wie Siemens und Nokia, aus dem Markt gedrängt wurden. Aber auch die vermeintlich völlig losgelöste Branche der Digitalkameras wurde, durch die im Smartphone integrierten Kameras, im Vorbeigehen überrannt.

Der Faktor der gestiegenen Anforderungen der Menschen an die Arbeit stellt keinen direkten Einfluss für die damalige Wirtschafskrise dar. Vielmehr ist dies eine gesellschaftliche Entwicklung, die Mitte/Ende des 20. Jahrhunderts ihren Anfang nahm. Menschen wollen nicht mehr nur monotone Arbeit vollrichten, um damit nächste Produktionsziel zu erreichen. Sie wollen sich einbringen und mitgestalten. Unternehmen, die qualifizierte Mitarbeiter binden wollen, müssen ihnen entsprechend mehr bieten können als stupides Abarbeiten von Aufgaben.

Zwar wird keiner dieser Faktoren durch Agilität direkt gelöst, jedoch bietet Agilität die benötigte Flexibilität und Dynamik, um diesen Herausforderungen begegnen zu können.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Agile Ansätze sind notwendig geworden, um in komplexen und sich schnell verändernden Märkten als Unternehmen bestehen zu können.

Bis bald!

Menü