Slacktime, Zeit zur freien Verfügung

Slacktime, Zeit zur freien Verfügung

Der Begriff Slacktime ist in Deutschland noch nicht lange bekannt und auch nicht sonderlich weit verbreitet, gleichwohl gewinnt er immer weiter an Bedeutung. Auf der anderen Seite des Atlantiks wiederrum ist Slacktime bereits seit über 50 Jahren bekannt und in vielen namenhaften, innovativen Unternehmen etabliert. Als besonders prominenter Vertreter ist die heutige Alphabet Inc. zu nennen, besser bekannt unter dem Namen Google (Aus Google heraus wurde die Holding Alphabet gegründet, um noch ambitioniertere Ziele zur erreichen). Der Slacktime werden bei Google beispielsweise die Entwicklung von Gmail, GoogleMaps und GoogleNews zugeschrieben. Aber auch weitere innovative Unternehmen wie 3M, immerhin Erfinder der Post-it, und HP haben die Slacktime bereits vor vielen Jahren eingeführt.

Slacktime ist die Zeit, die Mitarbeiter während der Arbeitszeit dafür nutzen, Ideen zu entwickeln oder selbstständig Projekte und Aufgaben anzunehmen. Ob individuell oder in Teams, Strukturen und Hierarchien werden für diese Zeit aufgebrochen, so dass sich Mitarbeiter auch bereichsübergreifend oder unterschiedlicher Hierarchieebenen zusammenschließen können. Für die Umsetzung von solchen Ideen, werden die Mitarbeiter auch oftmals mit einem entsprechenden Budget ausgestattet. Ein gelungener Pitch vor möglichen Projektsponsoren vorausgesetzt.

Während der normalen Arbeitszeit lastet immer ein gewisser Druck auf den Mitarbeitern bestimmte Ziele zu erreichen. Druck wirkt sich jedoch negativ auf die Kreativität aus und hemmt auch über den Tellerrand hinauszuschauen. Durch die Slacktime soll Mitarbeitern die Möglichkeit gegeben werden, sich ohne Druck kreativ entfalten zu können. Google bietet seinen Mitarbeitern 20% der Arbeitszeit als Slacktime an, 3M 15% und HP 10%. Aber auch bei deutschen Unternehmen wird die Slacktime immer beliebter.

Doch Slacktime kann nur funktionieren, wenn das Arbeitsumfeld es auch entsprechend zulässt. Soll heißen: Ein überlasteter Mitarbeiter wird auch während der 20%, die er formal nutzen könnte, nicht dazu in der Lage sein kreativ zu werden. Hier gilt es für Unternehmen geeignete Lösungen zu finden, so dass Mitarbeiter in den 80 % ihrer Arbeitszeit, in denen sie für ihre Hauptaufgaben zur Verfügung stehen, diese auch bewältigen können.

Wenn wir Slacktime nun in den Kontext von Agilität einordnen, dann werden hiermit zwei Treiber von Agilität angesprochen. Einerseits die Dimension Unternehmenskultur, bei der es gilt, eine positive Fehlerkultur zu schaffen und fortlaufendes Lernen zu ermöglichen und andererseits die Dimension Führung, bei der Führungskräfte ihre Mitarbeiter dazu befähigen sollten ihr volles Potenzial zu entfalten.

Agilität ist vielfältig und nicht immer so innovativ, wie man meinen könnte. Manchmal lohnt es sich, auch im Kontext der Agilität, auf Bewährtes zurückzugreifen.

Bis bald!

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