Agile Transformation – Warum es nicht immer der große Wurf sein muss

Agile Transformation – Warum es nicht immer der große Wurf sein muss

Im letzten Artikel habe ich Ihnen in Kürze die Phoenix-Project-Simulation als Alternative zu einer klassischen DevOps-Schulung vorgestellt. In diesem Tagesseminar lernen die Teilnehmer in spielerischer Form die Kultur und die Gedanken einer agilen Organisation kennen. Wenn ich nach so einem spannenden und erkenntnisreichen Tag die Teilnehmer abschließend nach ihren Erkenntnissen befrage, sind die Antworten seminarübergreifend doch recht ähnlich. – Unabhängig davon, wie weit die agile Transformation im jeweiligen Unternehmen bereits fortgeschritten ist: „Man könne ja mehr miteinander kommunizieren, die Kollaboration verbessern, bereichsübergreifend näher zusammenrücken und überhaupt erstmal cross-funktionale Teams etablieren.“ Oft gefolgt von einem großen „ABER.“ „Wir haben folgende Einschränkungen, sind so und so aufgestellt und aus den und den Gründen kann das bei uns ohnehin nicht funktionieren.“

Dennoch, und auch das eint die meisten Gruppen, ist insgesamt eine Aufbruchstimmung und die Motivation etwas zu verändern spürbar. Erfahrungsgemäß schwindet dieser Veränderungsgeist jedoch bereits innerhalb der ersten Wochen, sobald die Teilnehmer ihr Tagesgeschäft wieder aufgenommen haben und sofern nicht zeitnah erste Maßnahmen umgesetzt werden.

Doch wie lassen sich die gewonnenen Erkenntnisse ins Tagesgeschäft überführen? Je nach Stand der agilen Transformation des eigenen Unternehmens können sich die Rahmenbedingungen erheblich unterscheiden und entweder günstig (wenn der Veränderungsprozess bereits fortgeschritten ist) oder eben ungünstig sein (wenn der Veränderungsprozess noch am Anfang steht). Abgesehen vom Veränderungsprozess stellt besonders die Managementunterstützung einen wichtigen Treiber oder signifikantes Hemmnis dar. Einerseits kann der Spirit durch das Management befeuert, andererseits aber auch gelöscht werden, wenn beispielsweise Verbesserungsvorschläge abgelehnt und zu sehr auf die Einhaltung starrer Strukturen und Arbeitsweisen gedrängt wird.

Doch trotz all der möglichen Widrigkeiten und der Vielfalt an unterschiedlichen Rahmenbedingungen gibt es keinen Grund, die agile Idee nicht zu etablieren, bzw. vor der Etablierung zurückzuscheuen. Denn, auch wenn die positiven Effekte einer ganzheitlichen Einführung agiler Methoden sicherlich am spürbarsten sind, so widerspricht der ganzheitliche Ansatz gleichzeitig dem agilen Gedanken.

Iterative Änderungen sind gefragt, nicht der große Wurf. So sind es die kleinen Änderungen, die sich sukzessive zu einem großen Ganzen aufbauen, wodurch sich dann wiederum nach und nach die positiven Effekte einschleichen. Dabei sind die Veränderungen für Personen, die im Veränderungsprozess involviert sind, trotz der doch oft immensen Auswirkungen kaum spürbar. Fortlaufendes Lernen predigt der agile Ansatz und genau so sollte der Veränderungsprozess gestaltet werden: Stück für Stück sich immer weiter optimieren. Ist ein Zwischenziel erreicht, geht es direkt weiter zum nächsten Ziel.

Also denken Sie lieber klein statt groß. Denn im Kleinen können Sie viel bewegen. Unabhängig von Ihrer Position oder den Rahmenbedingungen im Unternehmen. Fangen Sie bei sich selbst an und „agilisieren“ Sie Ihre eigene Arbeitsweise. Arbeiten Sie mit Ihrem Kollegen ein Konzept aus, wie Sie oder Ihre gesamte Abteilung besser zusammenarbeiten können. Gewöhnen Sie sich an, besser zu kommunizieren und sorgen Sie für Transparenz in Ihrer täglichen Arbeit. Sicherlich gibt es auch hier Grenzen, doch auch diese können nach und nach verschoben werden. Die agile Transformation ist mit einem Kulturwandel verbunden und dieser läuft von Natur aus eher langsam ab. Daher nicht verzagen, wenn Sie mit Ihren Veränderungsbemühungen auf Hindernisse stoßen. Die Erfolge werden für sich sprechen und auch der Kulturwandel wird sich nach und nach vollziehen.

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